Tei­len
Dialog unter Rotorenlärm: Kommunikation und Patientensicherheit in der Luftrettung

Dialog unter Rotorenlärm: Kommunikation und Patientensicherheit in der Luftrettung

Die DRF Luft­ret­tung wur­de 2026 mit dem ers­ten Platz des Award Pati­en­ten­dia­log aus­ge­zeich­net. Ihr Pro­jekt „Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pati­en­ten­si­cher­heit in der Luft­ret­tung“ zeigt, dass Pati­en­tin­nen, Pati­en­ten und Ange­hö­ri­ge auch dort ein­be­zo­gen wer­den kön­nen, wo für ein Gespräch kaum Zeit bleibt: im Not­fall­ein­satz und an Bord eines Ret­tungs­hub­schrau­bers.

Zwi­schen dem Ein­tref­fen am Ein­satz­ort und der Über­ga­be in der Kli­nik lie­gen oft nur 30 bis 60 Minu­ten. Im Flug erreicht der Lärm in der Kabi­ne 95 bis 105 Dezi­bel, etwa so laut wie eine Motor­sä­ge in unmit­tel­ba­rer Nähe. Wache Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sind damit von einem nor­ma­len Gespräch abge­schnit­ten, obwohl sie Schmer­zen, Angst oder die Sor­ge um ihre Ange­hö­ri­gen gera­de dann beson­ders belas­ten. Hin­zu kom­men Sprach­bar­rie­ren. Ange­hö­ri­ge kön­nen aus Platz­grün­den in der Regel nicht mit­flie­gen.

Die DRF Luft­ret­tung setzt des­halb auf ein­fa­che, durch­dach­te Hilfs­mit­tel. Zwei Über­set­zungs-Apps auf den dienst­li­chen Smart­phones und Tablets über­brü­cken Sprach­bar­rie­ren und hel­fen auch bei gehör­lo­sen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Mehr­spra­chi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kar­ten lie­gen lami­niert im Post­kar­ten­for­mat und digi­tal auf dem Tablet bereit. Im Flug las­sen sie sich mit einem Nicken, einem Kopf­schüt­teln oder dem Dau­men beant­wor­ten. Ange­hö­ri­ge, die nicht mit­kom­men kön­nen, erhal­ten eine Kar­te mit den Tele­fon­num­mern der wich­tigs­ten Kran­ken­häu­ser rund um die Sta­ti­on. Wo es mög­lich ist, wer­den sie schon am Ein­satz­ort in die Ana­mne­se und in Ent­schei­dun­gen ein­be­zo­gen.

Ob das wirkt, prüft die DRF Luft­ret­tung sys­te­ma­tisch. Im Herbst 2024 befrag­te sie Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die im Sep­tem­ber 2024 ver­sorgt wor­den waren: 316 von 1.259 Ange­schrie­be­nen ant­wor­te­ten. Infor­ma­ti­on, Zuhö­ren und ver­ständ­li­che Ant­wor­ten bewer­te­ten sie mit Noten zwi­schen 1,34 und 1,66. Weil rund zehn Pro­zent der Frau­en beim Trans­port gefro­ren hat­ten, wur­de die Anschaf­fung neu­er Wär­me­de­cken vor­ge­zo­gen. Seit Novem­ber 2024 gibt es außer­dem einen unab­hän­gig aus­ge­stal­te­ten Pati­en­ten­für­spre­cher, obwohl der Ret­tungs­dienst dazu gesetz­lich nicht ver­pflich­tet ist. In den ers­ten 14 Mona­ten gin­gen bei ihm 103 Anlie­gen ein. Pati­en­ten­für­spra­che, Beschwer­de­ma­nage­ment und der Pati­en­ten­si­cher­heits­be­auf­trag­te, der seit 2015 CIRS-Mel­dun­gen bear­bei­tet, arbei­ten eng zusam­men.

Das Pro­jekt zeigt, wie viel Dia­log auch unter extre­men Bedin­gun­gen mög­lich ist. Vie­les davon lässt sich auf den Kli­nik­all­tag über­tra­gen. Ein­ge­reicht hat das Pro­jekt Tho­mas Zecho. Bei der Wür­di­gung am 23. Okto­ber 2026 beim BPiK-Sym­po­si­um in Haar bei Mün­chen war die DRF Luft­ret­tung vor Ort.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner